Gymme-Schüler bei Präsidentenempfang

Beim Festakt „25 Jahre Streitbeilegung“ im Kurhaus von Meran waren auch Schülerinnen und Schüler eingeladen. Für die deutschsprachigen Schulen nahmen Jugendliche des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums mit Landesschwerpunkt Musik aus Meran teil und lauschten den Worten der Staatsoberhäupter Mattarella und Van der Bellen.

2017 jährt sich die sogenannte Streitbeilegung zwischen den Staaten Italien und Österreich bezüglich der Umsetzung der Südtirol Autonomie basierend auf dem Pariser Vertrag zum 25. Mal. Die Geschichte bis hierhin ist eine sehr vielschichtige. Nach dem Gruber-Degasperi Abkommen aus dem Jahre 1946 mit dem de facto Eingeständnis, dass nach dem Zweiten Weltkrieg keine Grenzrevision möglich war, und dem ersten Autonomiestatut 1948, das die wesentlichsten Kompetenzen bei der Region und nicht beim Land Südtirol vorsah, kam es zu immer größeren Spannungen. Diese gipfelten in Magnagos „Los von Trient“ 1957 und schließlich auch in den Sprengstoffanschlägen ab 1961. Auf den Terror der Enttäuschten folgte der Staatsterror mit einer Militarisierung des Landes und Folterungen in den Gefängnissen. Auf beiden Seiten gab es Tote. Im Herzen Europas schien eine Gewalteskalation möglich. Durch den Gang vor die UNO durch die junge Republik Österreich wurde mit der UN-Resolution 1497/XV vom 31. Oktober 1960 festgestellt, dass der Pariser Vertrag für Italien bindend ist. Das war der Startschuss für die Paketverhandlungen. Das Paket wurde 1969 mit knapper Mehrheit von der Südtiroler Volkspartei angenommen. Über 20 Jahre sollte es dann aber noch dauern, bis die für die Maßnahmen notwendigen Durchführungsbestimmungen und Klärungen erfolgten. Einige Punkte sind noch heute offen. „Es brauchte einen langen Atem, viel diplomatisches Geschick und die Bereitschaft zu Kompromissen“, erklärte entsprechend Landeshauptmann Arno Kompatscher bei seiner Ansprache im Kurhaus. Am 22. Januar 1992 übermittelte das italienische Außenministerium der österreichischen Botschaft jene Note, mit welcher der Prozess der Streitbeilegung dann endlich eingeleitet wurde. Am 19. Juni desselben Jahres schickten die beiden Regierungen die Bestätigung der Streitbeendigung an den Generalsekretär der Vereinten Nationen. „Südtirol steht heute dank der auf diese Weise erwirkten Autonomie kulturell und wirtschaftlich gut da“, ist sich der Landeshauptmann sicher. „Dieser Schutz und diese Sicherheit sind die solide Basis für ein Aufeinanderzugehen, das aus einem friedlichen Nebeneinander ein sich wertschätzendes Miteinander werden lässt.“ Auch der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigten in ihren Ansprachen die Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes und lobten die Autonomie Südtirols als Vorzeigemodell. Die Schülerinnen und Schüler des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums konnten in Begleitung des Direktors Martin Holzner und der beiden Professoren Zeno Christanell und Tobias Wachter an einem historischen Moment teilhaben und damit hautnahe die Fortentwicklung der Südtirol-Geschichte miterleben. Ein weiterer Höhepunkt und ein klares Ausrufezeichen folgte am Ende der Veranstaltung: das Spielen der Europahymne mit Auszügen von Schillers „Ode an die Freude“ auf Deutsch, Italienisch und Ladinisch.

Interessiert lauschten die Schülerinnen und Schüler des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums den Ausführungen der Staatsoberhäupter Italiens und Österreichs.

Schülerinnen und Schüler des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums mit Direktor Martin Holzner und den Professoren Zeno Christanell und Tobias Wachter (v.l.n.r.) beim Festakt „25 Jahre Streitbeilegungserklärung“.

Der Einzug des italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella und des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen.