Zeitzeugen der friedlichen Revolution in der DDR

Evangelisches Pastorenehepaar Krautwurst als Zeitzeugen der friedlichen Revolution in der DDR

Am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium Meran haben der evangelische Pastor Martin Krautwurst und seine Frau Ulrike auf Einladung der Maturaklasse 5G aus ihrem Alltag in der ehemaligen DDR und von ihren Erlebnissen bei den berühmten Montagsdemos kurz vor dem Mauerfall am 9. November 1989 erzählt.

Ulrike und Martin Krautwurst hatten die politischen Umwälzungen in diesem letzten Jahr der DDR als junges Ehepaar und Eltern einer kleinen Tochter aktiv in Jena miterlebt. Martin Krautwurst war als einer der Mitgründer des „Neuen Forums“ politisch an vorderster Front engagiert und berichtete von den großen Herausforderungen jener Tage, die das Leben der DDR-Bürger für immer verändern sollten. Beeindruckt erfuhren die Schülerinnen und Schüler, die lange nach dem Fall der Berliner Mauer geboren wurden, von den risikoreichen Montagsdemonstrationen,  bei denen niemand wusste, ob sie wirklich friedlich ablaufen würden. Täglich rechnete man mit einem Eingreifen der Polizei und doch hoffte man auf die gemeinsame Macht des Volkes. Ulrike und Martin Krautwurst nahmen wegen ihrer kleinen Tochter nie gemeinsam an den Demonstrationen teil, denn sie mussten immer damit rechnen, verhaftet zu werden.

Martin Krautwurst betonte immer wieder das einmalige historische Glück, durch friedliche Demonstrationen und Gebete ein politisches System stürzen zu können. Auf alles sei der politische Machtappart der DDR und die Staatssicherheit vorbereitet gewesen, aber nicht auf betende Menschen. Unter mehreren Fotos und Zeitdokumenten zeigte Martin Krautwurst den Schülerinnen auch seine eigene Stasi Akte und erzählte den jungen Menschen vom psychologischen und zwischenmenschlichen Druck, den der Spitzelapparat der Geheimpolizei aufgebaut hatte.

Ulrike Krautwurst  hatte als Krippenerzieherin gearbeitet und erläuterte den Aufbau des Kinderbetreuungssystems der DDR, das durchaus auch seine positiven Seiten hatte. Besonders beeindruckt zeigten sich die Schülerinnen von den originalen Illustrationen und dem Unterrichtsmaterial, das Frau Krautwurst dabei hatte. Bereits in der frühkindlichen Erziehung waren etwa Kriegsspiel und die spielerische Gewöhnung an Uniform und Gleichschritt ein inhaltlicher Schwerpunkt.

Martin Krautwurst im Oktober 1989 in Jena

Auch nach der Wende war Martin Krautwurst in Jena politisch aktiv geblieben, hatte an dem höchst spannenden Prozess des Übergangs und der schrittweisen Demokratisierung mitgearbeitet und schilderte den für ihn grundlegenden Kampf um die Veröffentlichung aller Stasi- Akten. Freiheit und Demokratie verlangen nach Offenlegung aller Tatsachen und Übernahme von Verantwortung, betonte Krautwurst, nur so könne eine Gemeinschaft neue Wege einschlagen.

Diese Stunden erlebte Geschichte haben bei den Schülerinnen und Schülern einen tiefen Eindruck hinterlassen und das Bewusstsein, welch großes Geschenk es ist, in einer Demokratie leben zu dürfen.