Unzufrieden? Was ich mir wünsche

Und es geht doch! Alternative Lebensweisen

Klassizisten, Romantiker, Realisten und Impressionisten. Vertreter der vier gängigen Kunstrichtungen des 19.Jh.s. Was einte sie? Die Unzufriedenheit mit ihrer Gegenwart! Ihrem Unbehagen begegneten die Künstler mit unterschiedlichen „Kunstphilosophien“. Giuseppe Pellizza da Volpedo stellte z.B. mit seinem realistischen Werk Der vierte Stand (1901) die Alternative zur politischen Ohnmacht der Arbeit dar: den kollektiven Aufstand für bessere Arbeitsbedingungen.

Die Schüler/innen tun es diesen Künstlern gleich und reflektieren über ihre eigene Unzufriedenheit mit der Gegenwart und überlegen sich Alternativen. Einige gehen mit großem Ernst an die Sache heran und  thematisieren Hunger und Überfluss, indem sie übergewichtige amerikanische Kinder mit unterernährten afrikanischen vergleichen und Südtiroler Anekdoten zum althergebrachten Umgang mit Brot erzählen (Nie durfte man ein Brot mit dem Rücken auf den Tisch legen). Eine Alternative: mit Spenden finanzierte Armen-Tafeln. Die Anorexie, gerade für Jugendliche ein wichtiges Thema, darf in diesem Zusammenhang natürlich nicht fehlen. Sie regt zu einem Plädoyer für normalgewichtige Menschen an.

     

In der konkreten Auseinandersetzung mit Unzufriedenheit klagen die Schüler/innen schon mal über die „Tugenden“ des Konsums, die Verschwendung, die Zerstörung, die Politikverdrossenheit. Auch die mangelnde Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wird ins Spiel gebracht.  Was steckt hinter den meisten dieser Unzufriedenheiten? Empfundene Ungerechtigkeit!

Weitere Werke hinterfragen Religion und Glauben und die damit verbundenen emotionalen Standpunkte hinsichtlich der Meinungsfreiheit. Andere Schüler/innen rufen schon mal nach stärkeren Personenkontrollen an den Grenzen. Vom Thema Krieg ausgehend skizzierte eine Schülerin Waffen jeglicher Art, die Blumen über den ganzen Globus schießen. Da kommt doch einem die Assoziation hoch: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“  (aus dem Gedicht des Amerikaners Carl Sandburg). Tierschutz ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Ein humanerer Umgang mit diesen Lebewesen wird moniert.

           

Schließlich kommt auch die Ironie bei dieser praktischen Unterrichtseinheit nicht zu kurz: Die weibliche Dominanz an unserer Schule, ein nicht allzu ernst gemeintes Unbehagen, weicht wieder der männlichen Vorherrschaft. Oder aber die Vorstellung, einen Tag lang Held zu sein – im Sinne der mythischen Herkules-Aktionen, natürlich der heutigen Zeit angepasst. An der Vision, ein Skistar zu sein, wird auch gearbeitet.

Eine Schule wird umgebaut, schülergerecht natürlich …

 

Kompetenzorientierter Unterricht

die Schülerinnen und Schüler lernen:

→ Kunstwerke nach den ästhetischen Mitteln der Komposition und den materiellen Mitteln der Herstellung zu interpretieren, zu vergleichen und zuzuordnen,

→ die Wirkung verschiedener Materialien auf die ästhetische Gestaltung nachzuvollziehen,

→ sich mit verschiedenen Formen der Kunst auseinandersetzen, die eigenen ästhetischen Urteile 

     begründen und anderslautenden gegenüber tolerant sein,

→ Schnittstellen zwischen bildender Kunst und anderen Zeichensystemen darzustellen und zu reflektieren.

Karlheinz Gufler