„Das Theater soll einfach Spaß machen“

Ein Nachruf und eine Würdigung auf Rudi Ladurners Arbeit als Theatermacher an unserer Schule.

Von Bertrand Huber

Lieber Rudi, auf die Frage: Warum Schultheater? antwortetest du in einem Gespräch mit Schülern folgendes: „Ich habe keinen pädagogischen Ansatz, sondern das Theater soll einfach Spaß machen. In verschiedene Rollen schlüpfen und seiner eigenen Fantasie freien Lauf lassen können, kann wie eine Befreiung von alltäglichen Zwängen und Konventionen sein.“

Das erste Schultheater haben wir 1995 anlässlich der 50-Jahr-Feier der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt Meran im Kurhaus von Meran auf die Bühne gebracht. Das Stück nannte sich Die Treppe. Wie so oft habe ich mit den Schülern und Schülerinnen den Text geschrieben und du hast ihn mit viel Können und Vertrauen in die jungen Menschen auf die Bühne gebracht. Das letzte gemeinsame Schultheater machten wir im Jahre 2017. In Anlehnung an den Roman Supergute Tage von Mark Haddon schrieb die Klasse die Bühnenfassung Meine eigene Welt und du hast die komplexe Thematik des Authismus gemeinsam mit den Schülern in deinem Theater in der Altstadt äußerst überzeugend umgesetzt. Zwischen diesen beiden Schultheatern liegen Jahre und jährlich brachten wir ein Theaterstück mit Schülern und Schülerinnen auf die Bühne. Du glaubtest immer an ihre Begeisterungsfähigkeit, hast ihnen dadurch Vertrauen und Selbstsicherheit gegeben, hast mit ihnen diskutiert, sie auch manchmal diktiert, aber sie sind immer deinen Regieanweisungen  gefolgt, weil sie in deiner leidenschaftlichen Arbeit und in deinen überzeugenden Argumenten ein Vorbild für sich sahen, sich von dir ernst genommen fühlten und dadurch immer stärker in ihre Rollen hineinwuchsen.

Deine wertvolle Arbeit mit Jugendlichen bringt die ehemalige Schülerin Sarah Gruber auf den Punkt, die heute auf mehreren Bühnen im deutschsprachigen Raum zuhause ist und im Jahre 2006 die Hauptrolle im Theaterstück Maia im Altstadttheater spielte: „Das Gefühl, das Leben mit gleich beiden Händen in sich zu schaufeln. Erwachsener zu sein als je zuvor. Professioneller zu sein als je zuvor. Höher hinaus zu kommen als je zuvor. Sich noch mehr anzustrengen als je zuvor. Auch wenn ich heute vielleicht mit einem kleinen Lächeln an all diese Euphorie und Komplexität zurückdenke, so waren das Schultheater Maia und vor allem die Begegnungen, die es mit sich brachte, unglaublich schön, verzaubernd, traurig, glücklich, faszinierend, mitreißend befreiend. Wichtig. Ein Aufbruch. Gibt es etwas Schöneres als den Moment, mit vollem Herzen zu leben?“

Lieber Rudi, du hast uns allen, den Jugendlichen, der Schule und auch mir so viel gegeben. Du warst ein sehr guter Freund, einer der besten und jetzt bist du fort. Fort für immer. Was für mich bleibt, sind deine liebenswürdige Art und der hohe Anspruch, allen Dingen ehrlich auf den Grund zu gehen.