Autorenbegegnung mit Sabine Gruber

Autorenbegegnung mit Sabine Gruber

Die in Wien lebende Autorin hat am 28.11.2023 in der Aula Magna unserer Schule aus dem Roman Stillbach oder die Sehnsucht gelesen, der 2011 im Beck-Verlag erschienen ist.

Zu Beginn eröffnet die Autorin den Schüler*innen der Abschlussklassen, dass die Erzählungen und Anekdoten ihrer Großmutter, die in der Zwischenkriegszeit in Venedig und Rom als Dienstmagd gearbeitet hat, ihr Interesse an diesem Stoff, den sie im Roman verarbeitet hat, geweckt haben. Der eigentlichen Arbeit am Roman ist eine gründliche Recherche zur italienischen und österreichischen Zeitgeschichte vorausgegangen: Geschichte müsse man differenziert anschauen, betont die Autorin. Von grundlegender Bedeutung war auch die Lektüre des Buches „Wie die Schwalben fliegen sie aus“ der Autorinnen Lüfter/Verdorfer/Wallnöfer, das im Raetia-Verlag erschienen ist und vom Schicksal der jungen Frauen aus Südtirol erzählt, die in der Zwischenkriegszeit in italienischen Großstädten als Dienstmädchen gearbeitet haben.

Sabine Gruber, die selbst Geschichte studiert hat, will wissen, wie alles zusammenhängt, vor allem fasziniert sie, wie die kleinen Geschichten mit der großen Geschichte verflochten sind. Im Buch versucht sie, anhand sehr vieler Details historische Zusammenhänge aufzuzeigen und denen eine Stimme zu geben, die keine Stimme hatten. Im Mittelpunkt des Romangeschehens stehen drei Frauen: Emma aus Stillbach, die, wie viele junge Frauen aus Südtirol, in der Zwischenkriegszeit in Rom als Dienstmädchen arbeitet, einen Italiener heiratet und zur Hotelbesitzerin aufsteigt. In ihrer Heimat wird sie als Verräterin abgestempelt. Daneben gibt es die Figur der Clara Burger, die Ende der 80er Jahre nach Rom reist, um den Haushalt ihrer plötzlich verstorbenen Freundin Ines aufzulösen und dabei auf ein Romanmanuskript stößt, das in Rom des Jahres 1978 spielt, dem Jahr, als Aldo Moro entführt und getötet wurde. Der vielschichtige Roman endet mit der Begegnung zwischen Clara und der betagten Emma Manente in einem römischen Altenheim.

Nachdem Sabine Gruber eine längere Passage aus dem Roman vorgelesen hat, machen die Schülerinnen und Schüler von der Möglichkeit Gebrauch, mit der Schriftstellerin in einen Austausch zu treten.

Die Schulbibliothek der Gymnasien Meran bedankt sich bei Sabine Gruber für ihre Bereitschaft, an unserer Schule zu lesen, und bei der Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung SAAV, die die Lesung ermöglicht hat, für ihre großzügige Unterstützung.