Zu Beginn kurz zur Handlung dieses Dramas: Ferdinand und Luise sind ineinander verliebt; er, der Sohn des Präsidenten, und sie, die Tochter eines Geigenbauers. Es erscheint fast schon logisch, dass diese Liebesbeziehung im 18. Jahrhundert verpönt war. Luise und Ferdinand scheren sich zunächst nicht um die Proteste ihrer Eltern. Der Präsident, Ferdinands Vater, heckt einen Plan aus, um die beiden auseinanderzubringen. Ferdinand soll die Mätresse des Herzogs Lady Millford heiraten. Zunächst beharrt diese auch auf die Hochzeit, lässt dann aber, nach einem Gespräch mit Luise, von ihrem Plan ab und kehrt dem höfischen Leben den Rücken. Der Plan des Präsidenten hat also nicht funktioniert. Hinzu kommt, dass Ferdinand seinem Vater auch noch damit droht, seine korrupten Machenschaften vor Gericht zu bringen. Ein neuer Plan muss her. Der Präsident und sein Sekretär Wurm lassen Luises Eltern verhaften und zwingen Luise, einen Liebesbrief an den Hofmarschall von Kalb zu adressieren. Der besagte Brief wird Ferdinand zugespielt. Ferdinand ist wutentbrannt und Luise darf ihm aufgrund eines Eids nicht die Wahrheit gestehen. Ferdinands Wut nimmt überhand und schließlich vergiftet er Luise. Im Sterben gibt sie ihm die Wahrheit preis und Ferdinand erkennt, dass er eine Unschuldige getötet hatte. Um seinen Schuldgefühlen zu entrinnen, tötet er sich schlussendlich selbst. Nach dem Tod entbrennt zwischen den Eltern von Ferdinand und Louise ein erbitterter Streit mit gegenseitigen Schuldzuweisungen.
Das wäre die Geschichte, jedenfalls aus Schillers Originalfassung. Ein „alter Wälzer“, der nichts mehr mit der Moderne zu tun hat, denken die meisten. Aber nicht so nach einer Interpretation der Theatergruppe „Überzwerg“.
Walterhaus Bozen, 9. November 2023
Die zwei Schauspieler Eva Coenen und Gerrit Bernstein stellen zu zweit das ganze Drama um Luise und Ferdinand dar. Dabei schlüpfen die beiden Darsteller in verschiedene Kostüme, die immer griffbereit direkt auf der Bühne an Kleiderpuppen gehängt wurden.
Nicht nur war die Kulisse des Stückes etwas Neues, sondern auch das Stück selbst. Der Fokus des Stücks lag auf einem Thema, welches nicht aktueller sein könnte: Femizide. Die Darsteller führten uns durch eine geschickte Inszenierung des Endes an die Aktualität des Stückes heran. Aber auch andere zeitlose Themen, wie Geldgier, Macht, Armut, Gewalt oder „Fake-News“ werden im Stück dargestellt.
Nun präsentieren wir Ihnen noch einige Stimmen von Schüler:innen zum Theaterstück:
„Ich fand das Stück eigentlich relativ gut. Ich konnte ein paar Sachen mitnehmen. Ich glaube, es war aber oft auch schwierig zu verstehen, weil es ein Theaterstück ist, das vor 240 Jahren geschrieben wurde und nur zwei Schauspieler alle Rollen übernehmen mussten. Auch der Übergang, dass sie ihre Kostüme auf der Bühne gewechselt haben, war manchmal verwirrend. Ich fand es aber gut, dass sie mit dem Publikum interagierten und dass mache Textstellen abgeändert wurden. Es war eine solide Vorstellung.“
„Vor allem das Ende fand ich gut, es war ein Statement. Das Stück an sich war aber recht kompliziert und ohne Vorbereitung hätte ich es wahrscheinlich nicht wirklich verstanden. Ein Grund war auch der Kostümtausch, also der Übergang zwischen den verschiedenen Rollen der Schauspieler. Dafür, dass nur zwei Schauspieler am Werk waren, haben sie aber das Beste herausgeholt.“
Autorin: Lea Kofler

©Uwe Bellhäuser

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