Literacy-Erziehung im Kindergarten hautnah

Literacy-Erziehung im Kindergarten hautnah
Literacy-Erziehung im Kindergarten hautnah

Die Vorführer des Kamishibai erzählen mit kurzen Texten zu wechselnden Bildern, die in einen bühnenähnlichen Rahmen geschoben werden. Das Vorbild dafür sind japanische Süßigkeiten-verkäufer, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts kostenlos Geschichten vortrugen und im Anschluss ihre Süßigkeiten feilboten.

Begonnen hatte Martina Koler ihre Ausführungen mit einem Einblick in die eigene Lesebiographie. Anhand des zerlesenen Lieblingsbuches aus ihrer Kindheit, einer Löwengeschichte, veranschaulichte sie ihre frühe Begeisterung für Bücher, Geschichten und Bilder. Seit sie lesen kann, lese sie auch sehr gerne vor. Leuchtende Augen und spitze Ohren seien die schönste Bestätigung für ihre Arbeit, schreibt sie auf ihrer Homepage. http://www.martina-koler.com

Wie man Kinder phantasievoll und spannend, die verschiedensten Sinne vorbereitend auf Geschichten einstimmt, zeigte Martina Koler anhand des Titels Der Elefant und der Schmetterling von E.E. Cummings. Die zauberhaft leichten und stimmungsvollen Bilder stammen von der Südtiroler Künstlerin Linda Wolfsgruber. Erzählt wird vom Beginn einer zärtlichen Freundschaft. Es sind oft die poetischen Geschichten, die einer Vermittlung bedürfen.

Auf die Frage, welche Bilderbücher alle Kinder kennen sollten, führte die Literaturvermittlerin bekannte Titel an: Die kleine Raupe Nimmersatt von Eric Carle, Das große Wimmelbuch von Rotraut Susanne Berner, Der Regenbogenfisch von Marc Pfister und Der Grüffelo von Julia Donaldson. Das sind Bilderbücher, die auch in den Buchhandlungen immer wieder angeboten werden. Kindergarten und Schule sollten aber die Türen in noch vielfältigere Welten öffnen, damit möglichst viele unterschiedliche Bedürfnisse bedient werden können.

Den didaktischen Rahmen bot das Offene Lernen der Klasse 3A im Januar. Dieses war zum größten Teil der Analyse und Interpretation von Bilderbüchern gewidmet.
Beteiligt waren die Fächer Humanwissenschaften, Kunst und Deutsch. Angeboten hat sich diese Unterrichtseinheit nicht zuletzt deshalb, weil die Klasse im laufenden Schuljahr in enger Zusammenarbeit mit dem Kindergarten Meran Stadt unter anderem auch Vorleseaktionen für Kleingruppen anbieten wollte.

Interessiert fragte die Referentin auch bei den Schülerinnen nach, welche Erfahrungen sie in den Vorlesestunden im Kindergarten gemacht hätten. Vom Bilderbuchkino bis zu gebastelten Figuren setzten auch sie viele unterschiedliche Ideen um. Die Rede war auch davon, dass es keineswegs einfach sei, Vorlesestunden vorzubereiten. Vieles müsse im Vorfeld bedacht werden. So z.B. müsse ein besonderes Augenmerk auf die Zusammensetzung der Gruppe in sprachlicher Hinsicht gelegt werden. Über Laut- und Wortspiele könne auch in mehrsprachigen Gruppen die Begeisterung für Bücher geweckt werden.

Was Lesen alles bedeutet, fasst Martina Koler so zusammen:
alle Sinne ansprechen Buchstaben, Wörter, Sätze, Geschichten hören, Bilder sehen, entdecken, erkennen, der Sprache Stimme verleihen, ganz Auge und Ohr sein, den Duft der großen weiten Welt riechen, auf den Geschmack kommen, mit dem Herzen fühlen, sich langsam und bewusst voran tasten, dem Leben Farben verleihen, der Phantasie Raum geben, seiner Kreativität freien Lauf lassen, zur Ruhe kommen, die Zeit anhalten, genießen. Lesen ist mehr!  (http://www.martina-koler.com/1-lesen-ist-mehr)

Spürbar war, dass die Referentin zu jener Gruppe Menschen gehört, denen es gelungen ist, die Leidenschaft zum Beruf zu machen.
Ihr beruflicher Werdegang ist gekennzeichnet von Umwegen bis es ihr schließlich gelang, das Bilderbuch zum Dreh- und Angelpunkt ihres Erwerbslebens zu machen. Sie ist heute in der Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften, BibliothekarInnen, Tagesmüttern und Eltern tätig und vermittelt Kindern in BilderBuchWerkstätten die Freude und Begeisterung am Bilderbuch.