Theaterprojekt MiniWelten

„Worte, Worte, nichts als Worte“: „Miniwelten“ in einer Aufführung der Theatergruppe des Pädagogischen Gymnasiums Meran im Theater in der Altstadt

Der Bühnenraum ist mit 25 Plakatentwürfen ausgehängt und der Boden mit hingeworfenen Nachtanzügen aus einer alten Krankenheilanstalt belegt. Darauf agieren, sprechen und gestikulieren 17 Schüler/innen der Theatergruppe des Pädagogischen Gymnasiums Meran, das seit 18 Jahren Jahr für Jahr unter der Leitung des Theaterpädagogen Bertrand Huber und des Regisseur Rudolf Ladurner mit und für Schüler Theater auf beachtlichem Niveau hervorzaubert. Freitagabend fand die Premiere der „Miniwelten“ im Theater in der Altstadt statt, 26 kurze Dialoge und Kürzestszenen, die alle das Eine verbindet, die Lust an kreativem Theater. Die Stücke aus der Feder namhafter Autoren erheben nicht den Anspruch, die großen Probleme der Menschheitsgeschichte zu behandeln. Sie sind freilich in ihrer Art komisch, absurd, erhellend, aktuell. Die Veranstalter nennen diese Dramen „Miniwelten“ mit Absicht, denn in ihrer unterschiedlichen Provenienz und Aussage stellen sie, jede Welt für sich, eine unserer ureigenen Welten dar, die auf der Bühne von den Schüler/innen in Fragmente zerlegt wurden, die wie Funken zu glühen vermögen, um ebenso wieder zu verblassen und dem folgenden Platz einzuräumen, eine theatralische Form, die sich dem klassischen Drama verweigert. Für die Theatergruppe des Meraner Gymnasiums eignet sich diese Form des dramatischen Schreibens und Spielens besonders, da diese „Minwelten“ viel eher nach einer Haltung als nach einer ausgefeilten Dramaturgie fragen. So geben diese Fragen allerdings nicht unbedingt eine Antwort, sie lassen Vieles einfach offen. Wie in dem absurden Dialog um Theater und Publikum, der gleich zu Beginn gespielt wird, soll sich dann der Zuschauer mit Antworten oder Weiterdenken beschäftigen! Gleichzeitig tragen die „Miniwelten“, von denen einzelne von den Schüler/innen selbst verfasst wurden, einer Weltsicht Rechnung, in der die Welt selbst als fragmentiert und uneinheitlich wahrgenommen wird. Die jugendlichen Theaterspieler erleben hier Sprache in einem paradoxen Spannungsfeld: vorgefertigte literarische Texte und Muster und zugleich unvermittelte Äußerungen, die sich in Form emotionaler Ausbrüche oder hitziger Debatten bemerkbar machen. Gerade kurze dramatische Szenen eröffnen hier Spielräume, in dem die Möglichkeiten der Sprache lustvoll ausprobiert werden kann. Dem Regisseur Rudi Ladurner und seiner Mitstreiterin Christina Khuen ist ein spritziger und temporeicher Reigen von 26 Minidramen gelungen, deren Texte aus unterschiedlichen Epochen in Szene gesetzt wurden: Shakespeare, Friedrich Hebbel, Arthur Schopenhauer, Karl Valentin, Urs Widmer, Heiner Müller und Elke Heidenreich waren einige der Schriftsteller der „Miniwelten“. Die Zuschauer wurden eingestimmt auf eine verrückte Scheinwelt: eine Reihe von absurden, tiefgründigen und überraschenden  Szenen. Zuerst sieht immer alles völlig normal aus, bis die Situation umschlägt in ein unerwartetes Geschehen. Schmal ist der Grat zwischen Normalität und Abweichung, zwischen gerade noch tolerierbarer Exzentrizität und realistischem Verhalten wie die Szene mit dem Mensch als Huhn oder dem Abschneiden eines Beins, das sich dann im Bühnenrund verliert und anderes mehr. Subtil ausgearbeitet sind von Rudi Ladurner und Bertrand Huber die Charaktere, die textsicher und engagiert spielen, singen und tanzen, was das Zeug hält. Alle gehüllt in azurblaue Nachtanzüge aus der Anstalt. Wohlverdienten Beifall erhielten die 17 Akteure Hannah Ecker, Maya Rafner, Jakob Kathrein, Magdalena Heiss, Sarah Lanz, Lea Ghirardello, Milena Maas, Hannah Salutt, Sophie Masten, Anika Gluderer, Evelyn Innerhofer, Melanie Schiefer, Maria Egger, Katrin Rabensteiner, Theresa von Mörl, Carolin Wijffels und Sophie Obwexer. Über 17 Jahre Theater von Niveau in der Schule, eine Leistung, die Bertrand Huber und Rudi Ladurner so schnell niemand nachmachen wird können.

Ferruccio Delle Cave (Tageszeitung Dolomiten, Mittwoch, 27. März 2013)

 

Schultheater am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium in Zusammenarbeit mit dem Theater in der Altstadt

Von 22. bis 27. März wurden die MiniWelten insgesamt siebenmal aufgeführt.

Es spielten: Hannah Ecker, Maya Rafner, Jakob Kathrein, Magdalena Heiss, Sarah Lanz, Lea Ghirardello, Milena Maas, Hannah Salutt, Sophie Masten, Anika Gluderer, Evelyn Innerhofer, Melanie Schiefer, Maria Egger, Katrin Rabensteiner, von Mörl Theresa, Carolin Wijffels, Sophie Obwexer.

Minidramen sind Kurzstücke, sind dramatische minimal art, geschrieben von verschiedenen europäischen Autoren aus unterschiedlichen Epochen.  Shakespeare, Friedrich Hebbel, Arthur Schopenhauer, Karl Valentin, Urs Widmer, Heiner Müller, Elke Heidenreich – um nur einige Dichter und Denker zu nennen. Einzelne Minidramen wurden von den Schülern und Schülerinnen  gekürzt oder umgeschrieben. In allen Minidramen sprengt aber eine anarchistische Lust die Formen der Welt in viele kleine Stücke, um in den Splittern eine Miniwelt zu entdecken, die für etwas Größeres steht. Die 26 ausgewählten Miniwelten erscheinen in absurden Dialogen, schrägen Gesängen und makabren Pointen und regen über das Lachen zum Reflektieren an.

Die Theaterwerkstatt wird am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium als Freifach geführt und besteht bereits seit dem Jahre 1995. Ab diesem Schuljahr wurde jährlich ein Schultheater in Zusammenarbeit mit dem Theater in der Altstadt von Meran aufgeführt. MiniWelten ist somit die 18. Produktion, welche Schüler und Schülerinnen im Theater in der Altstadt auf die Bühne bringen. Bertrand Huber hat von Anfang an die Theaterwerkstatt betreut, hat jährlich mit Schülern und Schülerinnen Theatertexte geschrieben, Dramen umgeschrieben oder  selbst Theatertexte verfasst  und in fast allen Produktionen führte Rudi Ladurner Regie. Regie oder Regieassistenz führten im Laufe der Jahre auch Christine Widmann, Erich Meraner, Christine Perri, Johanna Porcheddu sowie Christina Khuen.  Die musikalische Betreuung lag meistens in den Händen von Heinz Ladurner.

Das Duo Rudi Ladurner und Bertrand Huber wird nach 18 Jahren Schultheater die Regie und Betreuung abgeben, das Freifach Theater wird aber an der Schule von Jutta Telser und Johannes Kofler weitergeführt und auch die Zusammenarbeit mit dem Altstadttheater bleibt bestehen.