Viel Applaus für Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“

Viel Applaus für Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“

Zum 10. Mal zeichnete die talentierte Regisseurin Selma Mahlknecht für den Musischen Abend des Klassischen Gymnasiums und des Sprachengymnasiums verantwortlich und zum 10. Mal konnte sie die in sie gesetzten hohen Erwartungen erfüllen, wenn nicht gar übertreffen.

Mit der Inszenierung von Shakespeares Sommernachtstraum erfüllte sich Selma Mahlknecht einen langgehegten Traum, wie sie in ihrer Ansprache erklärte, und brachte zum 300-jährigen Schuljubiläum einen der wichtigsten Klassiker auf die Bühne.

Shakespeare lässt seine Figuren Hals über Kopf in den Wahnsinn der Liebe stürzen und treibt sie eine magische Sommernacht lang durch alle Höhen und Tiefen. In einem verzauberten Wald kommen alle zusammen: unglücklich Liebende, eine Theatergruppe, die eine tragische Komödie über unglücklich Liebende einstudiert, und nicht zuletzt die verkrachten Naturgeister rund um das Elfenkönigspaar Oberon und Titania, die mit einem kräftigen Schluck Magie alles durcheinanderwirbeln. Sie alle verweben sich zu einem phantastischen Stück über das Suchen und Finden der Liebe und wie man darüber alles verlieren kann: seinen Stolz, seine Selbstbeherrschung, seinen Verstand.

In der Bearbeitung von Selma Mahlknecht werden die archetypischen Rollen und Muster des Liebesspiels kritisch, aber auch mit einer Prise Ironie aufs Korn genommen. Und obwohl am Ende magisch-versöhnlich die Hochzeitsglocken läuten, bleibt ein bitterer Nachgeschmack zurück, der daran erinnert, wie nahe in der Liebe Traum und Albtraum beieinander liegen.

Selma Mahlknechts Inszenierung konnte auf ganzer Linie überzeugen. Die Regisseurin hatte jede einzelne Figur des Dramas liebevoll und konsequent angelegt, vom würdevoll und gemessenen Schrittes wandelnden Herrscherpaar Theseus und Hippolyta über die verzweifelt um ihr Glück kämpfenden Liebenden und die sich grazil im Takt bewegenden und ätherisch wirkenden Elfen bis hin zum schalkhaften und schelmischen Robin und zur urkomisch agierenden Schauspieltruppe unter der rigiden Führung des resoluten Peter Quince.

Beim Spiel im Spiel gelang der Regisseurin eine besonders unterhaltsame Variante, indem sie in der Pyramus-Thisbe-Episode den Genderwahn und das festgefahrene weibliche Rollenverständnis aufs Trefflichste karikierte und durch entsprechende Gestik und den emotionslosen Vortrag der Spielenden noch wirkungsvoll unterstrich.

Das minimalistische Bühnenbild, das mit wenigen, aber eigens gefertigten Requisiten wie einem Bett auf Rollen auskam, und das Spiel mit Beleuchtungsfarben und Licht und Schatten taten ein Übriges, um die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwinden und die Besucher einen vergnüglichen Theaterabend erleben zu lassen.

Text: Irene Terzer

Fotos: Gregor Scarizuola